Stricken mit der Rundstricknadel: So geht’s richtig

Aktualisiert am 20. Juni 2020 von Selda Bekar

Anleitung zu Stricken mit der Rundstricknadel
Mit der Rundstricknadel kannst Du auch flache Strickstücke in Reihen stricken.

Lange Jackennadeln findest Du auf Dauer ziemlich unhandlich? Und die Kanten Deiner Strickarbeiten zusammenzunähen, gehört nicht unbedingt zu den Handgriffen, die Du gerne erledigst? Dann könnte es eine gute Idee sein, künftig zu einer Rundstricknadel zu greifen. Denn beim Stricken mit der Rundstricknadel bleibt es Dir überlassen, ob Du Reihen oder Runden arbeitest. Entscheidest Du Dich für Runden, entstehen automatisch schlauchförmige Strickstücke, bei denen das spätere Zusammennähen entfällt. Wie das Stricken mit der Rundstricknadel funktioniert und was Du dabei beachten solltest, haben wir in diesem Beitrag für Dich zusammengestellt.

Viele Strickarbeiten haben die Form eines Schlauchs. Dazu gehören zum Beispiel Pullover, Mützen und Loops, aber auch Taschen und einige Kissenhüllen. Solche Arbeiten kannst Du in Reihen stricken und die Seitenkanten anschließend zusammennähen.

Durch den recht großen Umfang kannst Du aber auch direkt in Runden mit einer Rundstricknadel arbeiten. Der in sich geschlossene Schlauch ergibt sich auf diese Weise von selbst und Du musst einfach nur die entsprechende Länge stricken.

Nur: Wie geht das Stricken mit der Rundstricknadel eigentlich? Wir haben Infos und Tipps für Dich!

Die Vorteile beim Stricken mit der Rundstricknadel

Je nach Projekt musst Du mitunter ziemlich viele Maschen anschlagen. Bieten die kurzen Stricknadeln eines Nadelspiels dann nicht genug Platz, musst Du auf die längeren Jackennadeln ausweichen. Doch je weiter Du mit Deinem Strickstück vorankommst, desto schwerer wird das Ganze.

Eine Rundstricknadel macht das Stricken angenehmer. Das liegt zum einen daran, dass sich das Gewicht des Strickteils auf das Kabel verteilt. Auf diese Weise werden Deine Handgelenke entlastet. Zum anderen sorgen die kurzen Nadeln dafür, dass Du Deine Hände und Arme entspannter halten kannst.

Ein anderer Vorteil besteht darin, dass eine Rundstricknadel viel weniger Platz in Anspruch nimmt als die langen Jackennadeln. Das flexible Kabel vermöglicht es, die Rundstricknadel platzsparend zu verstauen. Und weil Du die Strickarbeit auf das Kabel schieben kannst, sinkt die Gefahr, dass Dir Maschen von der Nadel rutschen, wenn Du die Arbeit ablegst oder aus der Tasche nimmst.

Außerdem ist eine Rundstricknadel flexibel einsetzbar. Du kannst damit nämlich ganz normal in Reihen stricken. Dazu strickst Du, wie sonst auch, alle Maschen ab. Anschließend drehst Du Deine Arbeit um und strickst auf der Rückseite wieder zurück.

Aber Du kannst mit der Rundstricknadel eben auch in Runden stricken. Dabei arbeitest Du immer im Kreis herum. Statt die Arbeit zu wenden, wenn Du eine Reihe gestrickt hast, arbeitest Du also einfach über die nächsten Maschen weiter. So entsteht ein in sich geschlossener Kreis, der mit zunehmender Länge zum Schlauch wird. Nähte an den Seiten gibt es folglich nicht.

Die Arten und Längen von Rundstricknadeln

Bild zu Stricken mit der Rundstricknadel
Ein Kabel verbindet die beiden Nadeln.

Eine Rundstricknadel besteht aus zwei recht kurzen Stricknadeln, die durch ein Kabel miteinander verbunden sind. Dabei gibt es die Rundstricknadeln aber in zwei verschiedenen Ausführungen.

Die erste Gruppe bilden die festen Rundstricknadeln. Hier sind die Nadeln und das Kabel fest verbunden. Erhältlich sind die Nadeln in verschiedenen Stärken und mit unterschiedlich langen Kabeln.

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Austauschbare Rundstricknadeln bilden die zweite Gruppe. Diese Nadeln kannst Du selbst so zusammenbauen, wie Du sie für Dein Strickprojekt brauchst. Du kannst also Stricknadeln in unterschiedlichen Stärken mit verschieden langen Kabeln kombinieren.

Unabhängig von der Variante gilt aber immer, dass die Länge Deiner Rundstricknadel zur Anzahl der Maschen passen sollte. Hast Du große Lücken auf dem Kabel, musst Du das Gestrick ständig auseinander ziehen. Das führt nicht nur zu nervigen Unterbrechungen, sondern leiert die Maschen auch aus.

Wähle die Länge Deiner Rundstricknadel deshalb immer so, dass sie etwas kürzer ist als der Umfang Deiner Strickarbeit. Dadurch ist sichergestellt, dass die Maschen schön eng nebeneinander liegen.

Für Mützen liegst Du in aller Regel mit einer 40 bis 60 cm langen Rundstricknadel richtig. Für Loops, Pullover und Arbeiten mit großem Umfang eignet sich eine 60, 80 100 oder sogar 120 cm lange Rundstricknadel.

Socken haben zwar ebenfalls die Form eines Schlauchs und werden in Runden gestrickt. Selbst eine 40 cm kurze Rundstricknadel ist für Socken aber zu lang. Aus diesem Grund arbeitest Du bei Socken meist mit einem Nadelspiel. Und auch wenn der Umfang Deines Strickstücks abnimmt, zum Beispiel im oberen Teil von einer Mütze, wechselst Du zum Nadelspiel.

Das Stricken mit der Rundstricknadel

Verwendest Du die Rundstricknadel als Ersatz für Jackennadeln, machst Du alles, wie sonst auch. Du schlägst also zuerst die benötigte Maschenzahl an. Danach strickst Du die erste Hinreihe, wendest die Arbeit und strickst die Rückreihe. Anschließend drehst Du die Arbeit wieder um und arbeitest die nächste Hinreihe. So geht es Reihe für Reihe weiter.

Möchtest Du hingegen in Runden stricken, gehst Du so vor:

Maschen anschlagen

Du startest mit dem Anschlag der Maschen. Dabei kannst Du die Methode anwenden, die Du sonst auch nutzt.

Damit die Kante elastisch bleibt und sich die Maschen gleich bequem abstricken lassen, kannst Du die beiden Enden der Rundstricknadel auch zusammennehmen und die Maschen über beiden Nadeln anschlagen. Danach ziehst Du eine Nadel heraus.

Zur Runde schließen

Jetzt musst Du die Maschen zur Runde schließen. Dafür ziehst Du die Maschen etwas auseinander, bis sich die erste und die letzte Masche jeweils am Ende einer Nadel befinden. Halte die Nadel so, dass sowohl die Rundstricknadel als auch die Maschen einen Kreis bilden.

Bevor Du loslegst, kontrolliere noch kurz, ob sich die Maschen irgendwo verdreht haben. Sollte das der Fall sein, musst Du sie zuerst in die richtige Richtung drehen.

Nun stichst Du mit der linken Nadel in die erste Masche auf der rechten Nadel ein und strickst sie ab. Diese Masche ist die erste Masche, die Du angeschlagen hattest. Ziehe beim Stricken den Faden und das Ende vom Anschlagsfaden fest an. Dadurch vermeidest Du eine große Lücke am Übergang. Dann strickst Du alle Maschen nacheinander ab.

Tipp: Starte am besten mit einer Runde rechter Maschen. Das ergibt eine schönere Kante. Ab der zweiten Runde kannst Du dann mit dem Muster beginnen, das Du eigentlich stricken möchtest.

Runden stricken

Wenn Du wieder am Anfang angekommen bist, drehst Du die Arbeit nicht um. Stattdessen machst Du einfach mit den nächsten Maschen weiter. Du arbeitest also fortlaufend immer nur im Kreis herum.

Auch wenn Du den Faden am Anfang gut festgezogen hattest, wird am Übergang eine kleine Lücke im Rand entstehen. Doch das macht nichts. Wenn Du ein paar Runden gestrickt hast, wird der Übergang gleichmäßig. Und die kleine Lücke am Anfang kannst Du später mit dem Anschlagsfaden schließen, den Du ja ohnehin vernähen musst.

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Wenn Du in einem bestimmten Muster strickst, solltest Du Dir den Rundenbeginn markieren. Dafür kannst Du einen speziellen Marker verwenden. Du kannst aber genauso ein Stück Garn in einer anderen Farbe zu einer kleinen Schlaufe binden und zwischen der ersten und der letzten Masche auf die Nadel legen.

So behältst Du den Überblick. Hast Du eine Runde fertig, schiebst Du Deinen Marker von der linken auf die rechte Nadel und beginnst die nächste Runde.

Mit jeder gestrickten Runde gewinnt Deine Arbeit an Länge. Ist die gewünschte Länge erreicht, kettest Du die Maschen wie gewohnt ab. Dann musst Du nur noch alle Fäden vernähen.

Die grundlegenden Muster beim Rundstricken

Strickst Du in Reihen, sind die ungeraden Reihen meist die Hinreihen und die geraden Reihen die Rückreihen. In den Hinreihen zeigt die schöne Vorderseite des Strickstücks zu Dir, während Du in den Rückreihen die Rückseite vor Dir hast.

Im Unterschied dazu arbeitest Du beim Stricken mit der Rundstricknadel alle Runden von der Vorderseite aus. Denn Du wendest zwischendurch ja nicht. Deshalb musst Du die Maschen auch immer so stricken, wie sie auf der Vorderseite aussehen sollen.

Damit Du nicht großartig umdenken musst, haben wir die wichtigsten Strickmuster für Dich zusammengestellt:

Glatt rechts

Beim Stricken mit der Rundstricknadel ist glatt rechts das einfachste Muster. Denn Du strickst hier immer nur rechte Maschen. Im Unterschied dazu entsteht das glatt rechte Strickmuster in Reihen, indem Du in den Hinreihen rechte Maschen und in den Rückreihen linke Maschen arbeitest.

Kraus rechts

In Reihen ist kraus rechts das einfachste Strickmuster. Dafür arbeitest Du nämlich alle Maschen in allen Reihen immer nur rechts.

In Runden geht das Muster anders. Hier beginnst Du mit einer Runde aus rechten Maschen. In der nächsten Runde strickst Du alle Maschen links. Dann kommt wieder eine Runde rechte Maschen und danach eine Runde linke Maschen. Diese beiden Runden wiederholst Du fortlaufend.

Glatt links

Glatt links wird im Prinzip genauso gestrickt wie glatt rechts, nur dass die linken Maschen auf der Vorderseite erscheinen. In Reihen arbeitest Du dafür immer in den Hinreihen linke Maschen und in den Rückreihen rechte Maschen. Beim Stricken mit der Rundstricknadel arbeitest Du stattdessen alle Maschen in jeder Runde links.

Rippenmuster

Für ein Rippenmuster wechselst Du rechte und linke Maschen miteinander ab. Möchtest Du ein einfaches Rippenmuster stricken, schlägst Du auf Deiner Rundstricknadel eine gerade Maschenzahl an. Dann strickst Du immer abwechselnd eine rechte und eine linke Masche. Dieses Schema behältst Du in allen Runden bei.

Sollen Deine Rippen breiter werden, kannst Du die Anzahl der Maschen pro Rippe erhöhen. Du strickst dann also zum Beispiel je zwei Maschen rechts und links oder abwechselnd je drei Maschen rechts und links. Achte nur darauf, dass Deine Maschenzahl durch die Anzahl der Rippen-Maschen teilbar ist. Sonst geht das Muster nicht auf.

Kleines Perlmuster

Das kleine Perlmuster strickst Du genauso wie ein Rippenmuster. Nur sitzen die Maschen jeweils versetzt übereinander. Auf eine rechte Masche strickst Du also eine linke Masche, während über einer linken Masche eine rechte Masche sitzt. Durch diesen Wechsel entstehen die kleinen Knubbel, die wie Perlen aussehen und dem Muster seinen Namen geben.

Möchtest Du das Perlmuster mit der Rundstricknadel stricken, schlägst Du eine ungerade Anzahl an Maschen an. Dann strickst Du in allen Runden immer im Wechsel eine Masche rechts und eine Masche links. Durch die ungerade Maschenzahl sind die Maschen automatisch versetzt.

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Anleitung: Einen Loop mit der Rundstricknadel stricken

Damit es nicht nur bei grauer Theorie bleibt, haben wir natürlich auch noch eine Anleitung für Dich, die sich prima fürs Stricken mit der Rundstricknadel eignet. Wir zeigen Dir nämlich, wie Du einen Schlauchschal stricken kannst.

Und weil der Schal nur aus rechten und linken Maschen besteht, eignet er sich sowohl als Projekt für Anfänger als auch für alle, die beim Stricken gerne entspannen möchten.

Diese Materialien brauchst Du

Für den Loop benötigst Du zunächst einmal Garn. Ob Du ein dünnes und sommerliches oder ein dickes und warmes Garn verwendest, bleibt Deinem Geschmack überlassen. Die Garnmenge richtet sich danach, welchen Umfang und welche Breite Dein Loop haben soll. Drei bis vier 50-Gramm-Knäuel solltest Du aber einplanen.

Neben dem Garn brauchst Du eine Rundstricknadel. Die Nadelstärke wählst Du passend zur Empfehlung auf der Banderole. Möchtest Du Deinen Loop einmal um den Hals legen, genügt eine 60 cm lange Rundstricknadel. Für einen Schlauchschal, den Du doppelt um den Hals legen kannst, solltest Du eine 100 cm lange Rundstricknadel nehmen.

Lege Dir außerdem ein Maßband, eine Schere und eine Nähnadel mit stumpfer Spitze zurecht. Dann kann es losgehen.

Die Umfang festlegen und die Anzahl der Maschen bestimmen

Zunächst musst Du Dir überlegen, wie lang Dein Loop werden soll. Möchtest Du ihn ähnlich wie den Kragen von einem Rollkragenpullover tragen, misst Du Deinen Kopfumfang aus. Zu diesem Wert rechnest Du 10 bis 20 cm dazu. Diese Zugabe stellt sicher, dass Du den Loop bequem überziehen kannst und er nicht zu eng sitzt.

Wenn Du möchtest, kannst Du jetzt eine Maschenprobe anfertigen. Dann misst Du aus, wie viele Maschen Du brauchst, um auf 10 cm zu kommen. Diese Maschenzahl rechnest Du anschließend auf Deinen ausgemessenen Wert um.

Durch die Zugabe kommt es beim Loop aber nicht auf ein ganz exaktes Maß an. Wenn Dich ein Zentimeter mehr oder weniger nicht stört, kannst Du auf die Maschenprobe verzichten und Dich auf die Maschenzahl verlassen, die auf der Banderole steht.

Willst Du den Loop später doppelt um Deinen Hals legen, verdoppelst Du Deinen Kopfumfang und rechnest die Zugabe dazu. Eine andere Möglichkeit ist, dass Du einen schon vorhandenen Schlauchschal ausmisst und diesen Wert übernimmst.

Ein Rechenbeispiel: Dein Schlauchschal soll einen Umfang von 85 cm haben. Für eine Breite von 10 cm musst Du mit Deinem Garn 18 Maschen stricken. Also rechnest Du (18 Maschen x 85 cm) : 10 = 153 Maschen.

Den Loop mit der Rundstricknadel stricken

Für das Muster, das wir uns überlegt haben, muss die Maschenzahl durch zwei teilbar sein. Hast Du eine ungerade Maschenzahl ausgerechnet, schlägst Du deshalb eine Masche mehr an. In unserem Beispiel oben wären das also 154 Maschen.

Die Maschen schlägst Du nun auf Deiner Rundstricknadel an. Anschließend arbeitest Du wie folgt:

  • 1. Runde: alle Maschen rechts
  • 2. Runde: eine Masche rechts, eine Masche links im Wechsel

Diese beiden Runden wiederholst Du fortlaufend. Und das machst Du solange, bis Deine Strickarbeit so hoch ist, wie Du den Schal haben möchtest.

Den Schlauchschal beenden

Ist Dir Dein Loop breit genug, strickst Du als letzte Runde eine Runde rechts. Danach kannst Du alle Maschen abketten. Nun musst Du nur noch die Fäden vernähen. Fertig ist Dein rundgestrickter Schlauchschal!