Aktualisiert am 24. Oktober 2026
Zwei Farben pro Runde und höchstens drei bis fünf Maschen am Stück in derselben Farbe: An diesen Regeln erkennst du Fair Isle. Hier findest du eine Strickschrift zum Üben, einen Spannfaden-Check für eigene Musterreihen und die Fadenführung. Ein Pullover ist als erstes Fair-Isle-Projekt zu viel, eine Mütze in Runden ist der bessere Anfang.
Stand: Oktober 2026, Quellen unten.
Woher Fair Isle kommt und was es von anderen Mehrfarbenmustern trennt
Fair Isle ist eine kleine Insel, die zu den Shetlandinseln im Norden Schottlands gehört. Bekannt wurden die Pullover von dort, als der damalige Prinz von Wales sie 1921 in der Öffentlichkeit trug. Typisch ist eine begrenzte Palette von etwa fünf Farben, aufwendige Modelle kommen auf bis zu zehn. Trotzdem laufen in jeder einzelnen Runde nur zwei Fäden. Die Vielfarbigkeit entsteht, weil Grund- und Musterfarbe von Runde zu Runde wechseln.
Daraus ergibt sich der Unterschied zu den Norwegermustern auf dieser Seite: Dort stehen große Einzelmotive wie Elch und Stern mit Rapporten von 16 oder 33 Maschen, jeweils in zwei Farben. Fair Isle arbeitet mit kleinen Motiven und kurzen Rapporten und schichtet viele schmale Bänder übereinander. Streifen und Farbblöcke in Reihen sind eine andere Technik; die Grundlagen dazu stehen unter Mehrfarbig stricken.
Strickschrift: Peerie-Raute über 6 Maschen und 5 Runden
Peeries sind die kleinen Bordüren der Fair-Isle-Tradition. Die Raute unten ist ein solches Peerie und gut zum Üben, weil kein Spannfaden länger als fünf Maschen wird. Die Maschenzahl deiner Runde muss durch 6 teilbar sein.
Legende: helles Kästchen = Grundfarbe, dunkles Kästchen = Musterfarbe, ein Kästchen = eine rechte Masche.
So liest du die Schrift: Du beginnst unten rechts mit Runde 1 und liest jede Runde von rechts nach links, weil du in Runden immer auf der Vorderseite strickst. Nach Masche 6 beginnt der Rapport wieder bei Masche 1. Willst du einen Farbverlauf, tauschst du in Runde 3 die Musterfarbe gegen einen zweiten Ton. So kommt eine weitere Farbe ins Band, ohne dass in einer Runde mehr als zwei Fäden laufen.
Varianten innerhalb der Familie
| Variante | Aufbau | Zum Üben geeignet |
|---|---|---|
| Peerie | kleine Bordüre mit kurzem Rapport | ja, guter Einstieg an einer Mütze |
| OXO-Motiv | abwechselnd ein O- und ein X-förmiges Motiv | nach dem ersten Peerie |
| Geometrische Naturformen | vereinfachte Formen aus der Natur im Raster | eher später |
Für den Anfang reicht ein Peerie. Größere Motive verlangen mehr Aufmerksamkeit, weil du über mehr Maschen und Runden zählen musst.
Fadenführung: Zuordnung festlegen und nicht mehr wechseln
Traditionell liegt ein Faden in der rechten Hand und einer in der linken. Ebenso kannst du beide Fäden über zwei Finger einer Hand oder über einen einzigen Finger führen. Welche Methode du nimmst, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass du bei der einmal gewählten Methode bleibst, damit die Farbdominanz über das ganze Stück gleichmäßig bleibt und das Band nicht mal kräftiger, mal blasser wirkt.
Die Spannfäden auf der Rückseite sollen locker liegen. Ziehen sie, zieht sich das Gestrick zusammen; beim Waschen des ersten Stücks siehst du, wie stark.
Spannfaden-Check für eigene Musterreihen
Klicke Kästchen an, um sie auf Musterfarbe oder zurück auf Grundfarbe zu setzen. Der Check zeigt, über wie viele Maschen jeder Faden hinten läuft. Bei „in Runden“ wird berücksichtigt, dass der Rapport am Rundenende wieder anschließt.
Ist ein Faden länger, webst du ihn ein: Du fängst ihn beim Stricken einer Masche mit ein, sodass er an der Rückseite festgehalten wird, ohne vorne sichtbar zu werden. Ganz ohne Spannfäden geht Fair Isle nicht, sie gehören zur Technik.
Wo die meisten hängen bleiben
Das Band zieht sich zusammen. Meist liegen die Spannfäden zu straff. Stricke als erstes Stück eine Mütze oder Armstulpen in Runden, wasche sie und zähle danach die Maschen aus. Beim Waschen entspannen sich die Spannfäden, die Maße können sich dadurch stärker verändern als bei einfarbigem Gestrick. Für einen Pullover kannst du alternativ vorab eine runde Maschenprobe stricken und waschen.
Fair Isle in Reihen stricken. Die Tradition arbeitet in Runden mit durchgehend rechten Maschen, Rückreihen entfallen. Dadurch strickst du schneller und hast das Muster ständig vor Augen. Wähle für dein erstes Fair-Isle-Stück deshalb ein Projekt in Runden.
Ärmel und Ausschnitt am Pullover. Der Körper wird in Runden durchgestrickt, an den Öffnungen sitzen sogenannte Steeks, meist 6 bis 10 Maschen breit. Sie werden mit Häkelmaschen oder durch Nähen gesichert und erst dann aufgeschnitten; aus der Öffnung nimmst du neue Maschen auf und strickst den Ärmel in Runden. Aufschneiden setzt Wolle voraus, die nicht superwash-behandelt ist. Traditionell ist das Shetlandwolle, weil ihre Fasern aneinander haften.
Weitere benannte Mustertraditionen findest du unter Irische Muster stricken und Keltische Muster stricken.
Quellen: Wikipedia, Artikel „Fair Isle (knitting)“ und „Steek“ (englisch); knitforpassion.de, „Fair-Isle-Stricktechnik“. Stand: Oktober 2026.
Redaktion stricken-mit-strickanleitung.de, Bremen. Wie die Anleitungen entstehen, steht unter Methodik.